Was sind Heilpilze?

Was sind Heilpilze? Mit dieser Frage setze ich mich seit kurzem auseinander und sie sind für mich ein wirklich ganz neues Themenfeld. Hintergrund sind eine erneute Corona-Infektion (die zweite in 6 Monaten), wieder zunehmend Probleme mit allerlei Schleimhäuten, diverse Bauchgeschichten und ganz neu: Herzrythmusprobleme. Hier befinde ich mich derzeit in ärztlicher Behandlung in einer internistischen Praxis und werde auf den Kopf gestellt. Dazu an anderer Stelle mehr. Das Thema Schleimhäute scheint aber gerade ein Themenfeld zu sein – und hier setzen wir nun ganzheitlich mit den Heilpilzen (auch Vitalpilze genannt) aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) an.

Heilpilze enthalten spezifische bioaktive Substanzen wie Beta-Glucane, einem sehr mächtigen Ballaststoff und Präbiotikum (auch in Hafer zu finden), weiterhin Triterpene und Eritadenin, die gezielt auf verschiedene Organsysteme wirken.

Während Heilpilze im asiatischen Raum seit Jahrtausenden fest verankert sind, stuft die westliche Medizin sie meist als Nahrungsergänzungsmittel ein.

Die bekanntesten Heilpilze

Zu den am häufigsten verwendeten Arten von Heilpilzen gehören:

Reishi (Glänzender Lackporling)

Der Reishi gilt als „Pilz des ewigen Lebens“. Er wird oft zur Entspannung und Stärkung des Immunsystems genutzt. Er wird ausserdem zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt, da er leicht blutverdünnende Eigenschaften hat und den Blutdruck sanft senken kann. Er wirkt zudem beruhigend auf das Nervensystem, was indirekt den stressbedingten Blutdruck reguliert.

Cordyceps (Raupenpilz)

Der Cordycepc wird traditionell zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Energie eingesetzt.

Er nimmt eine Sonderstellung ein, da er biologisch, pharmakologisch und historisch aus dem Rahmen fällt. Cordyceps enthält einen exklusiven Wirkstoff, das Cordycepin (3′-Desoxyadenosin). Es ähnelt dem körpereigenen Botenstoff Adenosin so stark, dass der Körper es in Stoffwechselprozesse einbaut.

Cordyceps ist der einzige Pilz, dem eine direkte Steigerung der Produktion von ATP (Adenosintriphosphat) zugeschrieben wird – dem universellen Treibstoff unserer Zellen. Dies erklärt seine Sonderrolle als sogenannter „Doping-Pilz“ für Sportler zur Steigerung von Ausdauer und Sauerstoffaufnahme. Außerdem soll die Sauerstoffaufnahme im Blut verbessern und die Herzleistung stärken, weshalb er zudem zur Leistungssteigerung genutzt wird. Als Adaptogen hilft er dem Körper, die Ausschüttung von Stresshormonen zu regulieren und die allgemeine Belastbarkeit zu erhöhen.

Hericium (Igelstachelbart/Löwenmähne)

Der Hericium indet Anwendung zur Unterstützung der Verdauung und der Nervenfunktion.  Er gilt als der wichtigste Pilz für den Magen-Darm-Trakt. Er wird traditionell zur Regeneration der Magenschleimhaut eingesetzt und bei Gastritis oder Sodbrennen geschätzt, da er hilft, das Gleichgewicht zwischen Magensäure und Schutzschleim wieder herzustellen. Studien deuten zudem darauf hin, dass Inhaltsstoffe des Hericium das Wachstum von Helicobacter pylori (einem Bakterium, das Magengeschwüre begünstigt) hemmen können.

Der Pilz besitzt stark entzündungshemmende Eigenschaften, die besonders auch im Darm wertvoll sind: Er unterstützt die Verdichtung der Darmwand und die Stärkung der Darmschleimhaut, um das Eindringen von Schadstoffen in den Blutkreislauf zu verhindern und unterstützt so aktiv gegen das Leaky Gut Syndrom. Auch bei Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn kann er therapiebegleitend zur Beruhigung der gereizten Darmabschnitte und zur Reduktion von Entzündungsmarkern in den Ruhephasen dieser Erkrankungen genutzt.

Auricularia

Der Auricularia polytricha (oder Auricularia auricula-judae), im Volksmund als Judasohr oder Mu-Err bekannt, ist der „Fließexperte“ unter den Vitalpilzen. Während der Hericium die Schleimhäute regeneriert, liegt der Fokus des Auricularia auf der Fließfähigkeit des Blutes und der Befeuchtung trockener Gewebe. Auricularia ist vor allem für seine antithrombotische Wirkung bekannt, ohne dabei die Gefäßwände anzugreifen.

Er enthält Adenosin und spezifische Polysaccharide, die die Verklumpung der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) hemmen und damit die Fließfähigkeit des Blutes verbessern können. Durch die entspannende Wirkung auf die Blutgefäße wird er häufig zur Prävention von Thrombosen, Schlaganfällen und Herzinfarkten eingesetzt. ACHTUNG: Er darf keinesfalls in Kombination mit Blutverdünnern eingesetzt werden! Der Pilz unterstützt weiterhin die Senkung des LDL-Cholesterinspiegels und wirkt so der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) entgegen.

In der Mykotherapie wird Auricularia zudem als „befeuchtender“ Pilz geschätzt, was ihn zu einer wichtigen Ergänzung zum Hericium macht. Er hilft bei Trockenheit im Bereich der Augen, der Nase und des Rachens. Er wirkt beruhigend auf entzündete Schleimhäute und wird traditionell bei trockenem Husten oder Halsschmerzen eingesetzt.

Auch auf den Verdauungstrakt hat er – auch ergänzend zum Hericium – fördernde Eigenschaften: Während letzterer vorrangig die Schleimhaut stärkt und Leaky Gut entgegenwirken kann, sorgt der Auricularia insbesondere für eine verbesserte Ausscheidung: Aufgrund seiner quellenden Eigenschaften und der befeuchtenden Wirkung auf den Dickdarm wird er erfolgreich bei chronischer Verstopfung (Obstipation) angewendet. Der Pilz findet auch als Speisepilz Anwendung in der asiatischen Küche. Ich habe ihn meist getrocknet im Vorrat für Suppen und Wokgerichte. Ein schönes Rezept für einen Salat findet Ihr hier. Er passt auch super in allerlei – von mir sehr geschätzte – Glasnudelsalate. Oder zu Sobanudeln.

Shiitake

Der Shiitake wird auch zur Unterstützung der Immunabwehr und des Cholesterinspiegels geschätzt. Enthält Ballaststoffe und Chitin, die die Darmtätigkeit anregen und die Verdauung unterstützen können. Das ist der einzige Pilz, den ich bislang kannte. Ich schätze ich seit vielen Jahren in meiner asiatischen Küche, in Wokgerichten, Suppen oder Salaten. Und genau dadurch lässt er sich auch schon gut in den gesunden Speiseplan einbauen. Ich kaufe ihn meist getrocknet im Asialaden – ich finde ihn aber zunehmend auch frisch in der Gemüseabteilung gut sortierter Supermärkte. Das enthaltene Chitin macht ihn für Bauchmenschen ggf. schwer verdaulich – deshalb nur in Maßen einsetzen oder auf ein entsprechendes Präparat setzen.

Hier ist ein Rezept für eine japanische Dashi-Brühe mit Shiitake. Mein Rezept für den Glasnudelsalat und einer mit Sobanudeln folgt in Kürze.

Pleurotus (Austernseitling)

Dem Pleurotus wird eine stärkende Wirkung auf das Darm-Mikrobiom zugeschrieben, denn er fördert die Ansiedlung der guten Bakterien im Darm. Dies kann vor allem nach der Einnahme von Antibiotika und bei Leaky Gut von Nutzen sein. Der Austernseitling hilft außerdem bei der Stärkung des Venensystems und bei Muskel- und Sehnenbeschwerden, außerdem bei Kreuzschmerzen, Hexenschuss, Gliederstarre und zur Blutbildung. Der Pilz wirkt ferner entzündungshemmend, schützt vor Thrombosen und ist immunmodulierend.

Chaga

Der Chaga-Heilpilz (Inonotus obliquus), auch als Schiefer Schillerporling bekannt, wird insbesondere für seine antioxidativen, entzündungshemmenden und immunstärkenden Eigenschaften geschätzt. Er kann das Immunsystem modulieren, freie Radikale bekämpfen, bei Magen-Darm-Beschwerden helfen und wird traditionell zur Unterstützung bei Krebserkrankungen eingesetzt (Quelle: SZ). Chaga enthält Polysaccharide (insbesondere Beta-Glucane), die den Darm unterstützen, Immunzellen stimulieren, Infektionen abzuwehren und ausgleichend bei Autoimmunerkrankungen wirken.

Er zählt zu den wirkungsvollsten Antioxidantien, schützt vor oxidativem Stress, verlangsamt Alterungsprozesse und beugt Zellschäden vor. Durch Inhaltsstoffe wie Betulinsäure kann er chronische Entzündungen reduzieren. Die enthaltenen Huminsäuren können eine schützende Schicht auf der Darmschleimhaut bilden, Leaky Gut abwenden und das Mikrobiom regulieren. Studien deuten darauf hin, dass Chaga-Extrakte das Wachstum von Krebszellen (Lunge, Leber, Darm) hemmen können.  Als koffeinfreier Energiebooster kann er die Ausdauer steigern und den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen.

Zunderschwamm

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein traditioneller Heilpilz, der entzündungshemmend, blutstillend, antimikrobiell und immunstärkend wirkt. Er wird zur Unterstützung bei Diabetes (Blutzuckerregulierung), Magen-Darm-Beschwerden, Hautentzündungen sowie Schmerzen wie Arthritis eingesetzt. Zudem fördert er die Wundheilung und wird in der Kosmetik genutzt. Der Pilz wird häufig als Tee (getrocknete Stücke), Extrakt, in Kosmetikprodukten oder als Pulver angewendet. Aufgrund seiner hautregenerierenden Eigenschaften (Melanin) wird er auch für die Pflege von Haut und Haar geschätzt. 

Fotos: Anton Atanasov, Pexels (Titelbild), balladphotoworkchanel koraag, Pexels (TCM), Foto von Laker, Pexels (Shiitake), Linda Prebreza, Pexels (Hand)

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