Fasten und ich

von Yvonne

„Fasten? Du? Aber Du musst doch gar nicht abnehmen!“

Erstaunlich, wie oft ich diese Aussage schon gehört habe. Wirklich unzählige Male. Und es zeigt, dass der Sinn des Fastens den meisten Menschen völlig unklar ist. Die Annahme ist: Fasten gleich Diät. Mehr nicht.

Und genau das ist es nicht. Das Abnehmen ist in diesem ganzen Komplex absolute Nebensache – quasi nur eine Begleiterscheinung. Wenn auch zugegebenermaßen oft erwünscht. Bei mir ganz ursprünglich auch. Aber da hatte ich auch noch 73 kg auf der Waage. War aber auch echt eine schwierige Zeit…

Und nach jedem Mal fasten ging es mir so unglaublich viel besser!

Was ist passiert?

Und damit kommen wir auf die Frage, wie ich eigentlich zum Fasten gekommen bin.

Das ist natürlich eine ganz persönliche Geschichte – aber ich teile sie gerne mit euch, denn vielen wird sie Inspiration sein, es auch einmal zu versuchen. Denn es kann – und das sage ich ohne Übertreibung – Lebens verändernd sein. Im absolut positiven Sinne.

Auch ich wurde inspiriert, mich überhaupt erst einmal mit Fasten bzw genauer Fastenwandern auseinanderzusetzen. Und das, obwohl ich nach eigener Aussage keine 2 Stunden ohne Essen auskommen konnte. Und die Vorstellung, eine komplette Woche NICHTS zu essen, absurder in meinen Augen nicht sein konnte.

Aber ein sehr geschätzter Kunde brachte mich auf dieses Thema, nachdem er selber so unglaublich stark von einer Woche Fastenwandern auf Sylt profitiert hatte. Ich war sehr inspiriert von seiner Erfahrung – gleichzeitig aber sicher: „Das schaffe ich niemals.“ Zu dem Zeitpunkt kam ich, wie gesagt, gefühlt kaum eine Stunde ohne Essen aus. Außerdem war ich ein typischer „Stressesser“.

Fasten gegen Stress – und gegen den „trouble belly“

Der Impuls kam vermutlich genau zum richtigen Zeitpunkt, vor ca 7 1/2 Jahren, im frühen Winter.

Ich hatte beruflich ziemlichen Ärger, Stress mit einigen konkreten Personen innerhalb eines Projekts und fühlte mich ohnmächtig in der Situation. Dadurch konnte ich eine Kollektion nicht so an den Start bringen, wie gedacht und mit meinem „Drive“ bin ich permanent gegen eine Betonmauer geknallt. Ich fühlte mich ausgebremst und fremdbestimmt. In existenzbedrohendem Ausmaß.

Mein Körper begann schleichend zu rebellieren – was ich natürlich hervorragend ignoriert habe. Migräneattacken, permanente Infekte und Nebenhöhlenentzündungen (gerne in Kombination mit wiederkehrender Antibiotikaeinnahme), Schlafstörungen, erhöhter Blutdruck (ich habe eigentlich eher niedrigen Blutdruck), Erschöpfung und ein Tinnitus, der mich seither begleitet. Und der mal mehr, mal weniger stark präsent ist. Mein Tinnitus und ich, wir haben uns lange angefreundet. Ich habe ihn schnell akzeptiert, nachdem klar war, dass ich ihn nicht mehr loswerde (leider zu spät behandelt, weil von meinem damaligen Hausarzt nicht ausreichend ernst genommen). Ich nutze ihn sogar – denn er ist mein Seismograph für Stress. Wenn’s zu laut wird, weiß ich sofort: Ich muss umgehend meinen Stresslevel runter fahren. Das Wort „Burnout“ ist damals übrigens nie gefallen – heute wissen wir: Das war einer. Und Reste davon gären leider immer noch in mir (das Thema „Stressmanagement“ thematisiere ich deshalb zunehmend an verschiedener Blogstelle).

In der Phase damals hat sich übrigens auch mein, da noch recht frischer, „trouble belly“ vermehrt gemeldet. Mit extremen, tagelangen Bauchschmerzattacken in einer Form, die mir bis dato völlig unbekannt war. Nicht auszuhaltende Entzündungschmerzen, die mich komplett außer Gefecht gesetzt haben. Nichts ging mehr, zum Teil gesellten sich Schüttelfrost und sogar erhöhte Temperatur dazu. Für mich völlig ungewöhnlich. Ich habe plötzlich extrem auf Nahrungsmittel reagiert. Etwas, das ich als „Allesfresser“ wirklich gar nicht kannte (Unter anderem war es eine akute Divertikulitis – da bin ich heute wirklich schlauer. Aber das ist ein anderes Thema…)

Das alles wurde leider von meinem damaligen Hausarzt nicht ernst genommen wurde – nun ja, das ist letztendlich der Beginn dieser ganzen Story und damit meines Blogs vor fast 3 Jahren.

Zurück zum Fasten. Mein besagter Kunde hat mich also „angefixt“ in einer Zeit, in der ich wirklich auf dem Zahnfleisch ging. Er hatte selber gerade eine beruflich herausfordernde Zeit hinter sich und sah seine Power schwinden. Und machte überzeugend klar, dass diese eine Woche Fastenwandern auf Sylt wirklich durchschlagend war.

Irgendwie ließ es mich offenbar nicht los, denn abends habe ich mir spontan die Website des besagten Fastenhauses angesehen und ein wenig herum gegoogelt. Und las Dinge, die mich ansprachen. Ein paar Tage und Nächte sackte das Ganze – dann spontan der Entschluss: Ich mache das! Ich nehme mir eine Auszeit und versuche aus eigener Kraft wieder auf die Füße zu kommen. Dass das Ganze zudem in Nordseeklima und auf einer sehr schönen Insel stattfinden sollte – perfekt. Und die Angst vor dem Verhungern geriet wie von selber in den Hintergrund. Denn der Nutzen überwog ganz offenbar. Mit überzeugenden Fakten kriegt man mich einfach immer. 🙂

Dieser Tag der Entscheidung war letztendlich der Beginn meiner, ich nenne es mal persönlichen „Fastenreise“. Denn seit dem ersten Mal vor knapp 7 Jahren war ich insgesamt 6 Mal zum Fastenwandern auf Sylt, 5 mal nach Buchinger und einmal zum Basenfasten. Zuletzt gerade zum Buchingerfasten vor einem Jahr (wobei wir leider COVID-Auflagen-bedingt nach 3 Tagen wieder abreisen mussten – jedoch bin ich sicher, dass unser Immunsystem enorm gestärkt wurde).

Jedes Fasten ist anders – und immer ein Erfolg

Jedes Mal war anders und jedes Mal habe ich wahnsinnig viel aus der Woche mitgenommen. Das erste Mal war natürlich das einschneidendste, denn ich ging mit einer wirklich schlechten Konstitution in die Woche. Die ersten drei Tage habe ich gelitten, ab Mitte der Woche ging es mir merklich besser – Freitags hätte ich Bäume ausreißen können. Ich! Bäume! Und gleich mehrere! Unglaublich. Da war eine Woche vorher nicht einmal ansatzweise dran zu denken. Ich werde das an anderer Stelle nochmal genau aufdröseln, was da eigentlich alles im Körper passiert – denn es ist eine ganze Menge.

Hier nur so viel: Das Gesamtpaket macht es. Und es macht etwas MIT einem. Weil man auf so vielen Ebenen, ich nennen es immer „auf Links gedreht und wieder auf Spur gebracht wird“. Es ist für den Körper, aber auch für Geist und sogar Seele. Und man lernt tolle Menschen kennen. Die wichtigen Support und Input liefern – und einem manchmal sogar helfen können, wo der Hausarzt total versagt hat. Aber auch das ist ein anderes, weil umfassendes Thema.

Nicht zuletzt durch das Fasten habe ich über die Jahre meine Ernährung nachhaltig umgestellt – und darüber schleichend knapp 17 kg abgenommen (Tipps und Tricks gefällig? Schaut mal hier). Die oben erwähnte „Stressesserei“ existiert nicht mehr und von Zucker bin ich nahezu komplett entwöhnt.

Ich bin zudem in den letzten 2-3 Jahren zu einem überzeugten Intervallfaster mutiert – zugegeben aus meiner eigenen Krankheitsgeschichte heraus. Aber nicht nur. Sondern aus Überzeugung, mir und meiner Gesundheit einen echten Mehrwert zu liefern. Mehr zu meiner gesundheitlichen Hintergrundgeschichte findet Ihr hier.

Fortsetzung folgt 🙂

In Kürze gibt es übrigens auch ein paar Rezepte explizit für eine Fastenwoche – als Vorbereitung ist aber in jedem Fall meine Basische Minestrone oder meine Zitronengras-Ingwer-Brühe perfekt.

Übrigens: Dazu, wie ich zum Fasten gekommen bin, gab’s mal einen schönen Artikel mit dem Titel „Sei gut zu Dir!“ von Claudia Minner in STERN Gesundheit.

Und wer sich noch ein bisschen in’s Thema einlesen möchte: Hier kann ich das Buch [Werbung, Affiliate Link*] „Wie neugeboren durch Fasten“ von Dr. med. Hellmut Lützner sehr als Einstiegslektüre empfehlen.

Fotos: privat, Oliver Rindelaub

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