Die Sache mit der Spiegelung

von Yvonne

Die Sache mit der Spiegelung. Genauer, der Darmspiegelung. Wird mal wieder Zeit. In meinem Fall relativ engmaschig. Und es wird vor allem Zeit, dass ich mal darüber schreibe. Warum das Ganze – und wie es so ist. Und dass das alles gar nicht schlimm ist. Im Gegenteil.

Denn die meisten Menschen zucken bei der Vorstellungen, dass „da unten was gemacht wird“ gehörig zusammen. Und das völlig zu Unrecht – so viel schonmal vorweg geschickt.

Die Spiegelung, genauer die Darmspiegelung (die Magenspiegelung lasse ich zwar ebenfalls machen, aber mangels „Ortskenntnis“ außen vor), ist ein wahrer Segen. Mit ihr lassen sich sehr schnell sehr wichtige Indikatoren ausspähen und teils sogar schon „vor Ort“ behandeln. Ich meine, in wie viele komplexe Organe kann man einfach so hineinfahren und gucken? Eben. Grundsätzlich schon mal super.

Durchführen lassen kann man eine Spiegelung fast in jeder Stadt – in entsprechenden Praxen oder Krankenhäusern mit Spezialisierung. In meinem Fall ist es aktuell das Israelitische Krankenhaus in Hamburg – oder die Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin in Bonn.

Was kann man sehen?

Jawoll, es geht geradewegs unten hinein. Die Vorstellung finden die meisten total doof. Und noch schlimmer, dass das jemand in diesem „bähbäh“-Teil des Körpers herumfuhrwerkt. Ich kann versichern und schwören: Das Vorgehen ist eine wahre Lappalie – nach dem ersten Mal schämt man sich hinterher fast, dass man sich dermaßen den Kopf gemacht hat. Denn man bekommt null davon mit. Und dem Arzt gegenüber muss man keine komischen Peinlichkeitsgedanken haben – der hat schon deutlich mehr als meinen Po gesehen.

Aber, man kann eine Menge sehen. Und das ist das Tolle. Zunächst einmal schönes, glänzendes, rosiges Gewebe im Dickdarm. Mit Glück sieht die endoskopierende Person nur, was sie sehen möchte – und nichts Gravierendes. Vielleicht aber auch ein paar Auffälligkeiten. Das wiederum ist wichtig zu wissen. Denn die können langfristig zu echten Problemen führen.

Liegen beispielsweise akute Entzündungsherde vor? Gibt es Polypen oder Divertikel? Die Spiegelung erfolgt vorrangig im Dickdarm, weiter kommt das Endoskop nicht. Quasi bis kurz vor die Klappe zum vorgelagerten Dünndarm. Über eine Magenspiegelung (wird oft in einem Aufwasch erledigt, wenn man schonmal dran ist), kann man immerhin auch den ersten Teil des Dünndarms, den Zwölffingerdarm einsehen. Wichtig, um z.B. die Zottenstruktur zu sehen. Ist sie intakt? Dann ist sie samtig-rosa. Ist sie geschädigt, könnte z.B. Zöliakie vorliegen.

Polypen sind kleine Nupsis, die auf der Darmwand des Dickdarms sitzen. Sie gelten als Vorstufe zum Darmkrebs, können aber sofort während der Spiegelung entfernt werden! Und das ist wirklich großartig.

Das Vorhandensein von Divertikeln ist zumindest wichtig zu wissen, denn sie können einen ganze Menge Ärger bis große Probleme bereiten – seht auch meinen Beitrag „Die Sache mit den Divertikeln„.

Und natürlich kann man jegliche Form von Entzündungsherden sehen. Das ist insbesondere Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa wichtig,.

Muss übrigens der ca. 6 m lange Dünndarm vollständig untersucht werden, gibt es eine Highend-Lösung mit einer kleinen Video-Kapsel. Die wird verschluckt und liefert aus allen Abschnitten – im Zweifel des gesamten Verdauungstrakts – spannende Bilder. Anders kann man in diesen Bereich nicht vordringen. Kennt übrigens noch jemand den Film „Die Reise ins Ich“? Das nur am Rande 🙂

Was muß ich tun?

Wichtig für eine erfolgreiche Spiegelung ist eine gute Vorbereitung. Das ist fast das Doofste: Die Einnahme des Abführmittels. Denn das schöne rosa Gedärm soll ja blitzblank sein. Es ist wirklich wichtig, das gewissenhaft und nach Plan durchzuziehen. Denn nur mit klarer Sicht kann der Arzt alles sehen. Und das wollen wir schließlich. Also machen wir uns und dem Arzt die Freude und erledigen gewissenhaft unseren Vorarbeiter-Job.

Das geht in der Regel so:

Am Vortag ist die Nahrungsaufnahme bereits genau auf die Untersuchung abgestimmt. Genaueres teilt der Arzt mit. Nach meiner Erfahrung ist morgens noch ein leichtes Frühstück mit feinem, körnerlosen Brot (ich hatte ein Croissant – ganz ausnahmsweise) und z.B. Ei und Käse erlaubt. Ab Mittags sollte nur noch Flüssigkeit zugeführt werden – stilles Wasser, Tee sowie Mittags und abends gerne eine klare Brühe.

Die Arztpraxis teilt im Vorgespräch mit, wann am Vortag die Einnahme des Abführmittels beginnt. Meist wird das Präparat Moviprep verschrieben, das nach Absprache bzw Packungsbeilage zuzubereiten ist.

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Man sollte auf jeden Fall ein Gefäß mit ca 1 L Fassungsvermögen bereithalten – denn darin wird eine der beiden „Portionen“ (meist erfolgt geteilte Gabe, insbesondere wenn der Termin am Vormittag stattfindet) aufgelöst.

Packungsinhalt – zwei Portionen

Gut aufgelöst wird diese Flüssigkeit nun Glasweise alle 10 bis 15 Minuten getrunken – die Kanne sollte innerhalb einer Stunde geleert sein. Ab jetzt muß zusätzlich jede Menge Flüssigkeit zugeführt werden, idealerweise 2-3 Liter.

Moviprep hat übrigens auch eine extra App entwickelt, die noch einfacher durch den Ablauf führt. Mein ausführendes Krankenhaus möchte übrigens statt des einen Liters lieber 1,5 Liter verabreicht sehen (Die restlichen 0,5 dann am nächsten Morgen, kann im Kühlschrank aufbewahrt werden). Das ist am Ende entscheidend – was die Praxis als Vorbereitung vorgibt.

Nach der Einnahme – Profitrick: Nase zuhalten und auf Ex runter – kann kann es ziemlich schnell und unvermittelt los gehen. Das ganze passiert je nach individueller Befindlichkeit ab ca. einer Stunde nach Einnahme. Also am besten nichts vornehmen und im Dunstkreis der Toilette bleiben. Sie wird ggf. über Stunden sehr stark und immer sehr plötzlich frequentiert. 🙂

Bei Untersuchungen am Vormittag wird am Morgen nochmal eine Fuhre (in meinem Fall 0,5 Liter) Moviprep in gleicher Weise eingenommen – die Uhrzeit wird genau von der Praxis festgelegt. Zwei Stunden vor der Untersuchung darf dann nichts mehr getrunken werden – absolute Nüchternheit ist gefordert. Warum? Weil Flüssigkeit im Magen im Falle einer Magenspiegelung in die Luftröhre und die Lunge geraten kann.

Zusätzlich muss nach Absprache mit der Arztpraxis schon einige Tage vorher die Ernährung auf die Spiegelung umgestellt werde: Körner, Kerne, allzu Faseriges und Solides sind tabu. Erlaubt sind entsprechend leichte, unsolide, faserarme Kost – einfach um möglichst wenig „Extrahaftendes“ und „Langeverweilendes“ oder Quellendes im Gedärm zu haben.

Ich bevorzuge an diesen Tagen Suppen und Gemüsecurry (meine Curry Base ist super dafür!), Kartoffelstampf oder Möhren-Untereinander. Mein tägliches Porridge kommt gut eingeweicht daher (was ich inzwischen fast standardmäßig mache), aber ohne Toppings wie ungeschälte Hanfsamen oder Kokosraspeln versteht sich. Körner und Kerne fehlen ohnehin weitestgehend in meiner Ernährung, da nicht optimal bei Divertikeln – ebenso faseriges, schwer verdauliches Fleisch. Mein geliebter Blattspinat ist in der Vorbereitungszeit ebenfalls tabu, Paprika oder Tomaten gehen nur ohne Haut. Smoothies gehen gut, sofern sie komplett durchgemixt sind.

Wie ist der Ablauf?

Nach der Anmeldung wird zunächst der Zugang für die Narkose gelegt.

Die Spiegelung dauert insgesamt ca. eine 3/4 Stunde. Wie oben erwähnt, bekommt man null davon mit – man befindet sich in einer leichten Narkose mit Propofol und wacht danach relativ schnell wieder auf. Ich hatte gerade noch mit Schwester Nala Restauranttipps in Hamburg ausgetauscht („Kennen Sie schon den tollen Afghanen in der City?“) – da bin ich auch schon weggeschlummert. Und im Aufwachraum wieder zu mir gekommen. Hat allerdings eine Weile gedauert, bis ich wieder halbwegs bei mir war.

Man ist auch noch eine ganze Weile ziemlich wackelig auf den Beinen und etwas „dizzy“ in der Birne. Der Nachhauseweg sollte deshalb nur in Begleitung und natürlich nicht am eigenen Steuer erfolgen – die aktive Teilnahme am Straßenverkehr ist ausdrücklich untersagt.

Das Nachgespräch mit dem untersuchenden Arzt erfolgt direkt im Anschluss. Er gibt einen Überblick, über das, was er gesehen hat. Das könnten z.B. Divertikel im letzten, absteigenden Dickdarmabschnitt sein (haben viele Menschen, und es werden mehr mit steigendem Alter), Polypen im quer verlaufenden und aufsteigenden Teil des Dickdarms (die werden sofort entfernt) oder auch Entzündungsherde (wie z.B. bei Colitis Ulcerosa). Ab hier wird’s individuell, aber man ist bereits enorm schlauer. Und möglicherweise schlagartig entspannt weil beruhigt.

Ich habe mir heute auf den Erfolg – keine gravierenden, neuen Nachrichten – erstmal leckeres Sushi gegönnt. Essen geht in der Regel übrigens ca. eine Stunde später wieder. Ich finde, das habe ich mir verdient. Und danach gibt’s eine schöne, ausgiebige Runde mit meinem Hund an der Alster. Die hat ER sich verdient 🙂

Mehr Informationen gibt’s auch beim Bundesgesundheitsministerium.

Titelfoto: Pexels

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