Fasten und ich

von Yvonne

Fasten? Du? Aber Du musst doch gar nicht abnehmen!

Erstaunlich, wie oft ich diese Aussage schon gehört habe. Wirklich unzählige Male. Und es zeigt, dass der Sinn des Fastens den meisten Menschen völlig unklar ist. Die Annahme ist: Fasten gleich Diät. Mehr nicht.

Und genau das ist es nicht. Das Abnehmen ist in diesem ganzen Komplex absolute Nebensache – quasi nur eine Begleiterscheinung. Wenn auch zugegebenermaßen oft erwünscht. Bei mir ganz ursprünglich auch. Aber da hatte ich auch noch 73 kg auf der Waage. War aber auch echt eine schwierige Zeit…

Und damit kommen wir auf die Frage, wie ich eigentlich zum Fasten gekommen bin.

Das ist natürlich eine ganz persönliche Geschichte – aber ich teile sie gerne mit euch, denn vielen wird sie Inspiration sein, es auch einmal zu versuchen. Denn es kann – und das sage ich ohne Übertreibung – Lebens verändernd sein. Im absolut positiven Sinne.

Auch ich wurde inspiriert, mich überhaupt erst einmal mit Fasten bzw genauer Fastenwandern auseinanderzusetzen. Und das, obwohl ich nach eigener Aussage keine 2 Stunden ohne Essen auskommen konnte. Und die Vorstellung, eine komplette Woche NICHTS zu essen, absurder in meinen Augen nicht sein konnte.

Aber ein Kunde brachte mich auf dieses Thema, nachdem er selber so unglaublich starkt von einer Woche Fastenwandern auf Sylt profitiert hatte.

Der Impuls kam vermutlich genau zum richtigen Zeitpunkt, vor ca 6 1/2 Jahren, im frühen Winter.

Ich hatte beruflich ziemlichen Ärger, Stress mit einigen konkreten Personen innerhalb eines Projekts und fühlte mich ohnmächtig in der Situation. Dadurch konnte ich eine Kollektion nicht so an den Start bringen, wie gedacht und mit meinem „Drive“ bin ich permanent gegen eine Betonmauer geknallt. Ich fühlte mich ausgebremst und fremdbestimmt. In existenzbedrohendem Ausmaß.

Mein Körper begann schleichend zu rebellieren – was ich natürlich hervorragend ignoriert habe. Migräneattacken, permanente Infekte und Nebenhöhlenentzündungen (gerne in Kombination mit Antibiotikaeinnahme), Schlafstörungen, erhöhter Blutdruck (ich habe eigentlich eher niedrigen Blutdruck), Erschöpfung und ein Tinnitus, der mich seither begleitet. Und der mal mehr, mal weniger stark präsent ist. Mein Tinnitus und ich, wir haben uns lange angefreundet. Ich habe ihn schnell akzeptiert, nachdem klar war, dass ich ihn nicht mehr loswerde (leider zu spät behandelt, weil von meinem damaligen Hausarzt nicht ausreichend ernst genommen). Ich nutze ihn sogar – denn er ist mein Seismograph für Stress. Wenn’s zu laut wird, weiß ich sofort: Ich muss umgehend meinen Stresslevel runter fahren. Das Wort „Burnout“ ist damals übrigens nie gefallen – heute wissen wir: Das war einer. Und Reste davon gären leider immer noch in mir.

In der Phase damals hat sich übrigens auch mein, da noch recht frischer, „trouble belly“ vermehrt gemeldet. Mit extremen, tagelangen Bauchschmerzattacken in einer Form, die mir bis dato völlig unbekannt war. Nicht auszuhaltende Entzündungschmerzen, die mich komplett außer Gefecht gesetzt haben. Nichts ging mehr, zum Teil gesellten sich Schüttelfrost und sogar erhöhte Temperatur dazu. Für mich völlig ungewöhnlich. Ich habe plötzlich extrem auf Nahrungsmittel reagiert. Etwas, das ich als „Allesfresser“ wirklich gar nicht kannte.

Das alles wurde leider von meinem damaligen Hausarzt nicht ernst genommen wurde – nun ja, das ist letztendlich der Beginn dieser ganzen Story und damit meines Blogs.

Zurück zum Fasten. Mein besagter Kunde hat mich also „angefixt“ in einer Zeit, in der ich wirklich auf dem Zahnfleisch ging. Er hatte selber gerade eine beruflich herausfordernde Zeit hinter sich und sah seine Power schwinden. Und machte überzeugend klar, dass diese eine Woche Fastenwandern auf Sylt wirklich durchschlagend war.

Irgendwie ließ es mich offenbar nicht los, denn abends habe ich mir spontan die Website des besagten Fastenhauses (wer mag, schaut einfach mal hier) angesehen. Und las Dinge, die mich ansprachen. Ein paar Tage und Nächte sackte das Ganze – dann spontan der Entschluss: Ich mache das! Ich nehme mir eine Auszeit und versuche wieder auf die Füße zu kommen. Dass das Ganze zudem in Nordseeklima und auf einer sehr schönen Insel stattfinden sollte – perfekt. Und die Angst vor dem Verhungern geriet wie von selber in den Hintergrund. Denn der Nutzen überwog ganz offenbar. Mit überzeugenden Fakten kriegt man mich einfach immer.

Dieser Tag der Entscheidung war letztendlich der Beginn meiner, ich nenne es mal persönlichen „Fastenreise“. Denn seit dem ersten Mal vor knapp 6 Jahren war ich insgesamt 6 Mal zum Fastenwandern auf Sylt, 5 mal nach Buchinger und einmal zum Basenfasten. Zuletzt gerade zum Buchingerfasten vor einem Monat (wobei wir leider COVID 19-bedingt nach 3 Tagen wieder abreisen mussten – jedoch bin ich sicher, dass unser Immunsystem enorm gestärkt wurde).

Jedes Mal war anders und jedes Mal habe ich wahnsinnig viel aus der Woche mitgenommen. Das erste Mal war natürlich das einschneidenste, denn ich ging mit einer wirklich schlechten Konstitution in die Woche. Die ersten drei Tage habe ich gelitten, ab Mitte der Woche ging es mir merklich besser – Freitags hätte ich Bäume ausreißen können. Ich! Bäume! Unglaublich. Da war eine Woche vorher nicht einmal ansatzweise dran zu denken. Ich werde das an anderer Stelle nochmal genau aufdröseln, was da eigentlich alles im Körper passiert – denn es ist eine ganze Menge.

Hier nur so viel: Das Gesamtpaket macht es. Und es macht etwas MIT einem. Weil man auf so vielen Ebenen, ich nennen es immer „auf Links gedreht und wieder auf Spur gebracht wird“. Es ist für den Körper, aber auch für Geist und sogar Seele. Und man lernt tolle Menschen kennen. Die einem manchmal sogar helfen können, wo der Hausarzt total versagt hat. Aber auch das ist ein anderes, weil umfassendes Thema.

Fortsetzung folgt 🙂

Übrigens: Dazu, wie ich zum Fasten gekommen bin, gab’s mal einen schönen Artikel von Claudia Minner in STERN Gesundheit

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